Die Streetphotography der 80er und 90er

Beitrag und Fotografie von Franco Baroni

In der Streetphotography der 80er/90er gab es einen leichten Trend zum Dusteren und Negativen, z.B. waren bettelnde Menschen immer ein sehr beliebtes Motiv, egal in welchem Land man gerade fotografierte. Es gab Ende der 80er einen leichten Trend zum SW-Foto, weshalb auch meine Aufnahmen meistens sw waren – das lag aber auch daran, dass die Tagespresse ohne Farbe gedruckt wurde, und dass man i.d.R. ein SW-Labor in seinem Badezimmer aufgebaut hatte und somit sehr flexibel mit dem Vergrößern von Fotos war. Wenn man in dieser Zeit in die USA reiste, wurde die Fotografie noch mehr „schwarz und weiß“-geprägt und man versuchte, ja fast krampfhaft, in jeder Aufnahme sein politisches Statement zu integrieren. Der weiße Golfer, der schwarze Schuhputzer, weiße Polizisten führen einen Schwarzen ab, oder klassisch, der schwarze Obdachlose vor der Grafittiwand – Schlagzeile: „USA – ein schwarz-weißes Land“.

 

Das bezahlte Bild

Wenn man in den 80ern und 90ern in die Vereinigten Staaten reisen wollte, waren die Empfehlungen des Auswärtigen Amtes voll mit Warnungen vor Kriminalität und Rassendiskriminierung, und als Fotograf auf Motivsuche, saugte man förmlich jede Ungerechtigkeit aus der Straße auf. Auch die abschließende Bildauswahl geschah nach diesen Kriterien.

Als ich nach meiner Rückkehr der ersten USA-Reportage beim Entwickeln der Filme diese Aufnahme eines Kriegsvetrerans im Rollstuhl wiederfand und die Dollarscheine in seinen Händen entdeckte, die ich ihm zugesteckt hatte, fühlte ich mich irgendwie beschähmt und korrupt. Ich hatte ihm für umgerechnet 3 D-Mark, so stand der Kurs damals, seine Würde „abgekauft“ und in ein Foto gebannt. Seinen stillen Protest an die US-Regierung fotografiert, die ihn für den Verlust seiner Beine im Vietnamkrieg nie entschädigt hatte.

Diese „moralische Messlatte“ hat mich seitdem immer begleitet, hat mich immer die Verantwortung verstehen lassen, dass man, gewollt oder aus Versehen, die Meinungen anderer mit Bildern manupulieren kann. Und mal ganz ehrlich: fotografisch gesehen, gibt das Bild nicht besonders viel her, außer dass es einen Mann im Rollstuhl zeigt!