Caucasus Report

Photography by Katharina Weichel

Kaukasus

Einer meiner deutschen Vorfahren väterlicherseits folgte den Verlockungen Katharinas der Großen und wanderte nach Russland aus. Seine Nachkommen wiederum wanderten ein paar hundert Jährchen später wieder nach Deutschland zurück. Ich inklusive.Mitgebracht habe ich die russische Sprache, die mir bei meiner letzten Reise zum Vorteil wurde, denn ich lustwandelte wieder: In Richtung Nord-Zentralasien. Nämlich in den Südkaukasus. Länder und Leute kennt man nur aus den Tagesthemen oder vom ESC.

Armenien ist ein Bergland und liegt irgendwo zwischen der Türkei, dem Iran, Georgien und Aserbaidschan und entsprechend freudig erstaunt sind die Bewohner darüber, dass eine rothaarige Deutsche mit sibirischem Blut sich touristisch und fotografisch dort austoben möchte.Machen einem die Armenier leicht, mit ihrer ausgeprägten Feierlaune, ihrem Wein, Speisen und Gesang und ihren Millionen zauberhaften Kirchen. Weder das eine noch das andere liess ich aus und schwankte so zwischen dem Dasein einer Heiligen und einer Alkoholikerin.

Noch besserer Wein und ebenso prächtige Kirchenbauten bezauberten mich in Georgien, mit seinen äußerst gastfreundschaftlichen, tiefgläubigen Bewohnern, die aber doch etwas zurückhaltend waren, was wohl eher an der sowjetischen Vergangenheit lag, als an den dürftigen ESC-Ergebnissen.

Anbetungswürdige Devotionalien und ebensolche Landschaften liessen mich eintauchen in eine Welt voller Traditionen, doch Tiflis, seine Hauptstadt, zeigt auch ein wunderbar modernes Georgien- eine fabulöse Stadt.Aserbaidschan war das abschliessende Land meiner illustren Reise. Spätestens seit dem ESC-Sieg 2011 kennt man Baku. Das Stadtbild ist modern, die sozialistischen Plattenbauten bekamen nicht nur ein facelifting, sondern mussten extravaganten architektonischen Bauwerken weichen. Im „Dubai des Ostens“ wohnen neugierige weltoffene und freundliche Menschen, die auch eine rothaarige russisch sprechende Touristin willkommen heissen.

Nun denn, Du schöner Kaukasus, hast mir nicht nur sowjetische Flashbacks beschert und nie gelebte Heimatgefühle, sondern auch ein paar Kilos mehr und die Frage, weshalb ich eigentlich keinen Lada fahre…